Historie

Schon lange hatten sich Bürger von Kessenich mit dem Gedanken befasst, eine Schützengesellschaft zu gründen. Am 15. April 1926 wurde der Wunsch Wirklichkeit und die Gesellschaft im Restaurant Kaiser Friedrich unter dem Namen „Sebastianus Schützengesellschaft Bonn-Süd gegr. 1926″ ins Leben gerufen.

In dieser Gründungsversammlung wurde der erste Vorstand gewählt. Dachdeckermeister Jakob Himberg leitete als erster Präsident die Geschicke der Gesellschaft. In der nächsten Versammlung wurden die ausgearbeiteten Statuten genehmigt und die Art der Schützentracht festgelegt. Der erste Auftritt der Schützen in der Öffentlichkeit fand am 23. August 1926 anlässlich der Kessenicher Kirmes statt. Mit dem Schießsport wurde vorerst auf einer Kegelbahn begonnen.

Die Schützengesellschaft trat dem Rheinischen und Deutschen Schützenbund bei. Das erste Gründungsfest fand am 27. November 1926 im Lokal des Eisclubs auf dem Sportplatz an der Reuterstraße statt. Unter Beteiligung auswärtiger Schützengesellschaften wurde am 30. Juli 1927 die Weihe der von den Damen der Gesellschaft gestifteten Fahne vorgenommen. Der Sebastianustag wurde in jedem Jahr festlich begangen. Am Fronleichnamstag beteiligten sich die Schützen, neben dem Baldachin schreitend, an der Prozession. Sie kamen damit einem alten Brauch der Schützengilden nach.

Am 19. September 1928 wurde auf den Schießständen in Tannenbusch das erste Königsschießen durchgeführt. Willi Esser tat den Meisterschuss und war somit erster König der Gesellschaft. Die Krönungsfeierlichkeiten fanden am 29. September 1928 im Gasthaus „Zur Traube“ statt. Als Zeichen der Königswürde wurden ihm Königskette und Degen überreicht. Aus einer kleinen Schar Männer entwickelte sich im Laufe der Jahre eine fest gefügte Gemeinschaft, die im Vereinsleben von Kessenich den von ihr eingenommenen Platz voll ausfüllte. Ausgezeichnete Schießerfolge und glanzvolle Feste führten der Gesellschaft immer neue Mitglieder zu, so dass die Zahl bald auf 50 aktive Schützen anstieg.

Die Vereinstätigkeit erlahmte, als der 2. Weltkrieg ausbrach. Viele Schützenbrüder wurden in den Krieg gerufen, um ihr Vaterland zu verteidigen. Nach Beendigung des Krieges erfolgte im Jahre 1945 auf Anordnung der alliierten Militärbehörde die Auflösung der Schützengesellschaft. Das Vereinsleben ruhte, aber der Wunsch, die Gesellschaft wieder mit Leben zu erfüllen, ruhte nicht. Am 17. November 1948 verstarb nach langer Krankheit der Präsident Jakob Himberg. Mit Energie und Tatkraft leitete er 19 Jahre hingebungsvoll die Schützengesellschaft von den kleinsten Uranfängen bis zur stattlichen Größe. Nach seiner Beerdigung am 22. November 1948 kamen 14 ehemalige Schützenbrüder im Café Esser zusammen, um über ein eventuelles Wiederaufleben der Gesellschaft zu beraten. Ehrenmitglied Josef Weiden, Bundesmeister des Kreises Bonn des Diözesenverbandes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften stand hierbei den Schützenbrüdern mit Rat und Tat zur Seite. Da die erforderliche Genehmigung der Schützengesellschaft durch die alliierte Militärbehörde einen Anschluss an die Erzbruderschaft voraussetzte, wurde einstimmig beschlossen, die Gesellschaft unter dem Namen „St. Sebastianus Schützenbruderschaft Bonn-Süd gegr. 1926″, bei der alliierten Militärbehörde anzumelden. Da nach Meinung des Bundesmeisters Josef Weiden mit der Genehmigung zu rechnen war, wurde sogleich mit der Arbeit begonnen. Unter seinem Vorsitz wurde der Vorstand gemäß der Satzung der Erzbruderschaft gewählt. Schlossermeister Johannes Güssgen wurde 1. Brudermeister und Präsident. Weiterhin gehört der jeweilige Pfarrer der Pfarrgemeinde als Geistlicher Präses dem Vorstand an. Am 23. Januar 1949 fand im Stammlokal die erste Sebastianusfeier statt, an der fast alle ehemaligen Schützenbrüder mit ihren Damen teilnahmen. Im Jahre 1949 fanden keine weiteren offiziellen Veranstaltungen und kein planmäßiges Schießen statt. Lediglich an der Fronleichnamsprozession beteiligte sich die Bruderschaft als kirchlicher Verein.

Bis Ende 1949 stieg die Mitgliederzahl auf 72 Aktive und Inaktive an. Bei dem Patronatsfest im Januar 1950 stand die Enthüllung einer Erinnerungstafel für die gefallenen und verstorbenen Schützenbrüder im Mittelpunkt. Für die wieder ins Leben gerufene Jungschützen-Abteilung stiftete der 1. Brudermeister und Präsident eine Schwenkfahne mit dem Bildnis des hl. Sebastian, die vom Geistlichen Präses Pfarrer Brinckmann feierlich geweiht wurde.

Das Jahr 1950 brachte der Schützenbruderschaft den erhofften Aufschwung. Unter der Leitung des Schießmeisters Theodor Rockenfeller, einem Gründer der Bruderschaft, wurde das Sportschießen mit Luftbüchse in das Jahresprogramm aufgenommen. Das erste Königsschießen nach der Wiedergründung fand am 17. September 1950 auf den selbst erbauten Schießständen im Garten des Gasthauses „Zur Traube“ statt, aus dem der Schützenbruder Gottfried Krings als neuer König hervorging. Ganz besonders festlich waren nach langer Zeit wieder die Krönungsfeierlichkeiten, bei denen auch die beliebte Schützen-Quadrille aufgeführt wurde.

Ein besonderes Ereignis war die Beteiligung einer Abordnung unserer Bruderschaft an der großen Romfahrt der deutschen Schützen im Oktober 1950. Der 1. Brudermeister konnte als Vertreter der Bonner Schützen dem Hl. Vater in Privat-Audienz eine kunstvoll ausgeführte Huldigungsadresse der Schützen aus der Bundeshauptstadt überreichen. Am 14. und 15. Juli 1951 wurde das 25-jährige Gründungsfest der Bruderschaft gefeiert. Höhepunkt dabei war der festliche Krönungsball.

Das Jahr 1955 war das ereignisreichste in der Vereinsgeschichte. Schützenbruder Heinz Bauer errang in diesem Jahr die Königswürde, wurde Bezirkskönig und bei dem, am 1. Oktober 1955 in Neuss ausgetragenen Bundeskönigsschießen Sieger von 74 teilnehmenden Bezirkskönigen. Heinz Bauer wurde unter dem Jubel vieler hundert Schützen vom Hochmeister des Zentralverbandes der historischen deutschen Schützenbruderschaften, Fürst Reifferscheidt, zum Bundeskönig proklamiert. Von allen Bonner Schützenbruderschaften wurde er am 3. Oktober 1955 mit einem Fackelzug zum Rathaus geleitet, wo er die Glückwünsche des Oberbürgermeisters und der Stadt Bonn entgegennahm. Unter großem Jubel fand dann der Einzug in unserem Ortsteil Kessenich statt. Bei den Krönungsfeierlichkeiten am 8. Oktober wurden ihm in Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste und Abordnungen vieler Schützenbruderschaften und der Ortsvereine in einem glanzvollen Festakt die Königsinsignien unserer Bruderschaft überreicht. Weitere Höhepunkte dieses ereignisreichen Jahres waren ein Empfang in Rom beim Hl. Vater am 11. Oktober und der Empfang beim Bundespräsidenten am 30. Oktober.

Doch war diese Zeit auch von Trauer überschattet. Wir haben einige Schützenbrüder zu Grabe tragen müssen, darunter auch unseren Geistlichen Präses, Herrn Geistlichen Rat Pfarrer Brinckmann. Als sein Nachfolger wurde Herr Pfarrer Paul Janssen am 18. September 1956 in das Amt eingeführt.

Auf Anregung des Schützenbruders Heinz Bauer wurde 1956 aus der Jungschützen- Abteilung ein Fanfarenkorps gegründet. Unter Leitung des Schützenbruders Arthur Preihs wurde durch fleißiges Proben ein Klangkörper geschaffen, der bei allen Auftritten große Anerkennung fand. Auf Grund ihres Könnens und des sauberen und einheitlichen Auftretens bei Fanfarenwettstreiten belegten sie sehr gute Plätze und errangen viele Medaillen und Pokale.

Im Schießsport wurden in den letzten Jahren sehr gute Ergebnisse erzielt, sei es von Einzelschützen oder von den Mannschaften. Die Bruderschaft zählt auf diesem Gebiet bei Rundenwettkämpfen und Meisterschaften mit zu den Erfolgreichen im Bezirk Bonn.

Das Glück und der Erfolg waren auf Dauer nicht immer auf unserer Seite. Vielen Schützenschwestern/- brüdern haben wir im Laufe der Jahre die letzte Ehre erwiesen, hierunter befanden sich vier 1. Brudermeister und der ehemalige Bundeskönig unserer Bruderschaft. Eine Jungschützen-Abteilung wurde wieder aufgebaut, um den Nachwuchs heranzubilden. Durch gezieltes Training wurden auch hier in den letzten Jahren von Einzelschützen und Mannschaften sehr gute Ergebnisse bis hin zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften erzielt.

Das gesellschaftliche Leben der Schützenbruderschaft ist bestimmt durch die Pflege des Brauchtums und der Tradition. Daran hat sich auch bis zum heutigen Tage nichts geändert. Bei vielen Veranstaltungen der St. Nikolaus Pfarrei, des Ortsausschusses, der in Kessenich ansässigen Ortsvereine sowie der vielen befreundeten Schützenbruderschaften und den zugehörigen Schützenverbänden ist die St. Sebastianus Schützenbruderschaft Bonn-Süd rege vertreten.